Erweiterungen

Die folgenden Erweiterungen werden zukünftig in AQUAD 7 verfügbar sein. Sie ermöglichen den Anschluss an andere open source Programme und eröffnen ganz neue Analyseerweiterungen sowohl in den Bereich „Mixed Methods“ als auch für Audio- bzw. Videobearbeitung und zur Präsentation kodierter qualitativer Daten.

  • R bzw. SPSS (von der Firma IBM) zur quantitativen Datenanalyse
  • FFmpeg zur En- bzw. Dekodierung von Audio- und Videodaten
  • Text-Videoüberlagerungen (TVÜ) zur Präsentation von Audio- und Videodaten

R

R und Tinn-R

R und Tinn-R

R ist eine freie Softwareumgebung für eine Vielzahl von statistischen Berechnungen und graphischen Darstellungen. R läuft unter Windows, Mac und einer Vielzahl von Unix Plattformen. R entstammt ursprünglich der kostenpflichtigen Programmiersprache S. Auf CRAN (Comprehensive R Archive Network) werden derzeit über 4300 R Pakete zum freien Download angeboten. R ist damit die effizienteste und größte Sammlung statistischer Software weltweit und kostet nichts. Der Anschluss an R erlaubt es, bei geeigneten Fragestellungen – die eine Quantifizierung bzw. quantitative Analyse erfordern – die bestmöglichen Analysen durchzuführen, die vorhanden sind. Eigene Analysen können mit entsprechendem statistischen Wissen selbst programmiert werden. So verfügt das R Paket ‚QCA‘ etwa über eine noch umfangreichere Implikantenanalyse als AQUAD 7 – die sollte jedoch nur mit Vorsicht und entsprechendem Hintergrundwissen eingesetzt werden. Eine Schnittstelle von AQUAD 7 nach R hat 3 Aspekte:

  • Export von Codehäufigkeiten – ein simpler Export einer Tabelle von Codehäufigkeiten (egal um welche Codes es sich hierbei handelt) in das .csv Format („comma separated values“). Dieses kann bequem im R eingelesen und dann weiterverarbeitet werden. AQUAD 7 Codedateien liegen sowieso in einem einfachen lesbaren Textformat vor. Hier wird dieses Format lediglich umformatiert für eine einfachere Einleseprozedur in R. Es lohnt sich, die folgenden Dokumente zu lesen: R Data Import/Export und die kleine R Referenzkarte. Die entsprechenden Befehle zum Einlesen lauten read.csv() bzw. read.table().
  • vordefinierte Analysen – für kleinere Analysen (etwa Chi^2 Analysen oder graphische Abbildungen wie Nähe/ Distanz von Interviews) lohnt es sich, auf vordefinierte R Skripte zurückzugreifen, die die AQUAD 7 Codedateien direkt einlesen und einen Output produzieren. In dem Falle wird von AQUAD 7 aus R direkt aufgerufen und das entsprechende Skript gestartet. R ist gesondert zu AQUAD 7 gemäß der Anleitung auf CRAN zu installieren. AQUAD 7 fragt dann lediglich nach dem Weg zum R Installationsordner.
  • freie R Skripte – R ist eine skriptbasierte Programmiersprache. Für all diejenigen, die sich mit R auskennen und dieses lieber nach ihren eigenen Vorstellungen nutzen möchten, können hier ihre eigene R Skripte einfügen, die dann von AQUAD 7 aus ausgeführt werden. AQUAD 7 überprüft jedoch diese Skripte nicht – insofern erfordert dies solide R Kenntnisse. Wer lieber einen eigenen R-Editor nutzen möchte, sollte sich Tinn-R anschauen. Eine pragmatische Lösung wird vermutlich sein, eigene R Skripte mit Hilfe von Tinn-R im R zu entwickeln, diese abzuspeichern und dann von AQUAD 7 aus aufzurufen and als eigenen Menüpunkt anzulegen.

Grundsätzlich empfehlen wir den Einsatz von R statt SPSS, weil die Arbeitsweise von R (ohne GUI) dazu führt, dass Anwender sich deutlich mehr Gedanken bzgl. der korrekten statistischen Analyse machen müssen als bei SPSS und weil der Funktionsumfang und die graphischen Möglichkeiten ein Vielfaches dessen umfassen, was bei SPSS möglich ist. Im täglichen Arbeiten zeigt sich relativ schnell die Überlegenheit einer objekt√≥rientierten Datenanalyse mit R. Selbstverständlich kann obiger Punkt „Export von Codehäufigkeiten“ ebenso für den Datenexport nach SPSS bzw. dessen freie Variante GNU PSPP genutzt werden. Alle weiteren Analysen finden dann in SPSS statt. Empfohlen wird die skriptbasierte Nutzung von SPSS, da hier die exakte Reproduktion von Analysen sofort gegeben ist.

FFmpeg

FFmpeg ist eine Sammlung von Programmen und Bibliotheken, um so ziemlich alles, was als Audio/ Video kodiert werden kann, zu dekodieren, enkodieren, transkodieren, de-/muxen, streamen, filtern und abzuspielen. Der Nutzen dieser Programme ist, dass Videos häufig in einem Format vorliegen, was für die Analyse qualitativer Daten ungeeignet ist. Entweder ist ein Video viel zu groß (Aufnahmen in HD) oder in einem unhandlichen Codec (zuviel Platzverbrauch) vorhanden oder es stört etwas anderes. FFmpeg kann von AQUAD 7 dann so aufgerufen werden, dass unabhängig des Ausgangsmaterials gewisse Standardformate (Auflösung, mpeg4 Codec für Video, mp3 für Audio) als Zielformate ausgewählt werden können. Dieser Output eignet sich wiederum für die Kodierarbeit mit AQUAD 7.

Alternativ eignet sich die Kombination aus ffdshow DirectShow Filtern und VirtualDub hervorragend, um äquivalente Ergebnisse zu erzielen. Es bedarf dann zusätzlich eines freien Audiocodecs. Für den Import von Formaten, die VirtualDub nicht von Haus aus unterstützt, eignet sich Avisynth als Frameserver.

Text-Videoüberlagerungen (TVÜ)

Text-Videoüberlagerungen (~Untertitel)

Text-Videoüberlagerungen (~Untertitel)

Text-Videoüberlagerungen werden hier als eine Möglichkeit angeboten, Audio- und Videodaten für Präsentationen, Schulungen oder zur Begutachtung (Peer-Review bzw. bei Qualifikationsarbeiten) aufzubereiten. Hierbei werden ausgewählte Kodierungen in ein Format überführt, um diese dynamisch in das Video einblenden zu können oder in das Video direkt hart einzukodieren. Dahinter liegt technisch betrachtet die Technologie klassischer Untertitelung von Filmen (etwa für Hörgeschädigte, im Falle fehlender Synchronisation, etc.). Zur Verwendung kommt das Advanced SubStationAlpha Format (Advanced SSA, Dateiendung .ass), das eine Vielzahl von nützlichen Effekten ermöglicht.

Status Quo: Derzeit ist mit Hilfe eines R Skriptes (inkl. Beispielvideo, AQUAD 7 kodiert) eine Konvertierung von AQUAD 7 Codedateien in ein Advanced SSA konformes Format möglich. Eine Auswahl von Codes bzw. die Anwendung eines Stylesheets ist noch nicht innerhalb von AQUAD 7 möglich. Das R Skript erzeugt pro AQUAD 7 Code einen eigenen standardformatierten Style. Alle Codes bekommen demnach zunächst denselben Style zugewiesen. Die erzeugte Advanced SSA Datei kann jedoch in Aegisub geladen werden, um Typen von Styles zu definieren und Codes diesen Typen zuzuweisen. Damit ist ein angepasstes Layout an die eigenen Bedürfnisse mit entsprechendem Aufwand jetzt schon möglich. Zum Abspielen empfehlen wir unter Windows die Kombination aus mpc-hc und/ oder der ffdshow Programmbibliothek (zur Dekodierung der Advanced SSA Datei, sofern dies nativ unter mpc-hc nicht funktioniert).

Ein ausführlicher Artikel zur Anwendbarkeit, technischen Hintergründen, möglichen Problemen und Grenzen sowie DVD Produktion und Internationalisierung dieses Verfahrens ist in Vorbereitung. Eine kurze Anleitung hierzu und zur DVD Produktion bzw. Internationalisierung findet sich in diesem Blog – es wird ausschließlich freie Software verwendet.